Die minimalistische Lebensweise ist die Antwort auf Konsumpf, Wachstumswahnsinn, ständige Erreichbarkeit, Hektik und Stress. Anstelle alles haben zu müssen, überall dabei sein zu wollen und möglichst viel zu erreichen versuchen, konzentriert man sich auf die Gegenstände, Aktivitäten, Menschen und Ziele, die einem wirklich wichtig sind und Freude bereiten. Dafür musst du nicht dein komplettes Leben auf den Kopf stellen. Schon kleine Veränderungen sorgen für mehr Einfachheit, Freiheit und Zufriedenheit. Probiere es selbst aus und setze einen meiner fünf Minimalismus-Tipps um.

Ein Beitrag von Christof Herrmann, der mit Einfach bewusst den meistgelesenen deutschsprachigen Minimalismus-Blog betreibt und Anfang September bei Gräfe und Unzer den Ratgeber „Das Minimalismus-Projekt – 52 praktische Ideen für weniger Haben und mehr Sein“ veröffentlicht.

1. Ausmisten in der Wohnung - Rückwärts shoppen

Gehe mit einem Korb oder einer Kiste durch deine Wohnung und packe alles ein, was du nicht mehr (ge)brauchst. Du shoppst sozusagen im Rückwärtsgang. Die aussortierten Gegenstände verschenkst oder spendest du. Sofern du nicht verschuldet oder sehr knapp bei Kasse bist, rentiert sich ein Verkauf aufgrund des oft unterschätzten Zeitaufwands nur, wenn der Gegenstand 20 Euro oder mehr erzielen wird.

2. Ausmisten in der digitalen Welt – Weniger an Bildschirmen kleben

Wir leben im Zeitalter des Bildschirmstarrens. Natürlich möchte ich nicht alles schlecht reden. Die Digitalisierung und das Internet können unseren Alltag vereinfachen. Es macht Freude, mit Freunden und der Welt in Kontakt zu bleiben. Viele gemeinnützige und nützliche Projekte wären ohne Vernetzung, PCs und Smartphones nie zustande gekommen. Auch meinen Blog gäbe es nicht. Aber dass Geräte mit Bildschirmen in fast allen Lebenslagen überhandnehmen und wir uns weniger bewegen, gestresster und kränker werden, unsere Kreativität verlieren, zu kommunizieren verlernen und Werte wie Empathie, Achtsamkeit und Besonnenheit darunter leiden, halte ich für besorgniserregend. Der technische Fortschritt ist ein Geschenk – wenn man damit umzugehen weiß. Es steht dir frei, öfter offline zu gehen. Abschalten, um mal wieder abzuschalten. Digital Detox heißt das heutzutage.

Christof Herrmann

3. Ausmisten im Kopf – Dankbarkeit trainieren

Blicke jeden Abend auf die letzten 24 Stunden zurück. Was hast du Positives erlebt? Für welche Menschen und Situationen spürst du Dankbarkeit? Damit sich das Gefühl im Gehirn verankert, ist es sinnvoll, drei Dinge zu notieren, für die du an diesem Tag besonders dankbar warst. Mit der Zeit wird es dir immer leichter gelingen, solche Dinge zu sehen. Diese Dankbarkeits- und Achtsamkeitsübung kannst du auch mit deinem Partner machen, indem ihr euch gegenseitig von den positiven Momenten erzählt.

4. Ausmisten im Terminkalender – Planlos sein

Plane einfach mal nichts. Kehre allen Verpflichtungen den Rücken zu. Lebe wie früher in den großen Ferien in den Tag hinein. Du wirst dadurch wieder durchatmen können, den Kopf freibekommen, Stress abbauen und Kraft tanken. Und es wird deine Spontaneität und Kreativität fördern. Habe keine Angst, etwas zu verpassen oder als unproduktiv zu gelten. Du bist kein Roboter. Du nimmst dir frei, auch von dir selbst, weil das essenziell für dein geistiges und körperliches Wohlbefinden ist. Starte mit einem Nachmittag oder einem Sonntag. Fortgeschrittene nehmen sich vor, ein Wochenende oder eine Urlaubswoche lang nichts vorzuhaben. Kannst du die planlose Zeit nicht spontan nehmen, dann planst du sie – paradoxerweise – ein. Blockiere sie im Terminkalender.

5. Ausmisten im Bekanntenkreis – Echte Freundschaften pflegen

Die minimalistische Lebensweise eröffnet die Chance, unsere Beziehungen zu verbessern und zu vertiefen. Wir überdenken das Erfolgs- und Leistungsstreben, Konsum und Kram verlieren an Bedeutung. Dadurch gewinnen wir Zeit für die Menschen, die uns wichtig sind. Wir können so einfacher Verabredungen treffen und uns dabei auch leichter nach unseren Freunden richten. Es ist jedoch nicht viel gewonnen, wenn wir diesen Freiraum dazu nutzen, die Anzahl unserer Beziehungen zu erhöhen. In unserer globalisierten und digitalisierten Welt sind alte Bekannte und neue „Freunde“ nur ein Billigflugticket oder eine Freundschaftsanfrage weit entfernt. Kontakte mit Tiefe und Verbundenheit entstehen auf diese Weise selten. In unseren Beziehungen sollten wir also mehr auf die Qualität und weniger auf die Quantität achten. Eine Handvoll echter Freundschaften wiegt mehr als hundert Bekanntschaften.